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Verdacht
Seit
dem Wochenende frage ich mich, mit was für einem Tier ich seit Jahren
zusammen lebe. Katze möchte ich dieses Geschöpf lieber nicht mehr
nennen. Denn Katzen fangen Mäuse.
Nicht so unsere. Kedi, so heißt dieses Tier, fängt lieber Döschen
mit leckerem Inhalt. Ich war bis jetzt auch nie wirklich böse darüber,
dass ich höchstens ein-, zweimal im Jahr eine Maus aus den Fängen
unseres Raubtieres befreien musste.
Dennoch zeigte diese Alibi-Maus, Kedi ist eine Katze und Katzen sind
nun mal keine Pazifisten. Aber Kedi ist - das weiß ich seit dem Wochenende
- eine mehr als nur friedliebende Katze. Sie lebt in friedlicher Koexistenz
mit ihren vierbeinigen Beutetieren unter einem Dach.
Die Erdnüsse der Sittiche brachten es an den Tag. An dem einen Tag
war noch eine volle Tüte da, am nächsten Tag ein wundersamer Schwund
zu beklagen. Keine einzige Nuss fand sich mehr in der Tüte. Mein Liebster
geriet in Verdacht. Bestritt aber entschieden, sich am Vogelfutter
vergriffen zu haben.
Des Rätsels Lösung konnte da nur “Maus” heißen. “Niemals”, sagte das
Katzenherrchen, “das hätte Kedi doch gemerkt.” Und doch fanden sich
bei detektivischer Spürarbeit Mäusespuren im Vorrats-Kämmerchen. Aber
wenn die Maus dort lebt, dann hat sie die Nüsse durch die ganze Wohnung
transportiert. Eine nach der anderen. Immer wieder haarscharf vorbei
am Katzenfutternapf. In dem die Maus aber nie selbst gelandet ist.
Bestimmt hat sie ihre vegetarische Kost mit dem Dosenfutter sogar
etwas angereichert.
Wir werden jetzt Fallen aufstellen. Lebendfallen selbstverständlich,
in die die Katze nicht ‘reinpasst. Denn wenn unser Raubtier auch noch
in eine Mausefalle tappte, das wäre denn doch zu viel des Guten. Ihr
Herrchen sagt eh schon: “Ich bin menschlich tief enttäuscht von dieser
Katze.”
14. Januar 1997
Gefangen
Erst
kürzlich war an dieser Stelle die Rede von der Katze, die keine Mäuse
fängt. Und der Maus, die in unserer Wohnung lebte. Zusammen mit der
Katze. Das ist jetzt aus und vorbei. Hoffe ich zumindest.
Nicht, dass der Stubentiger doch noch auf den Geschmack gekommen wäre.
Der Kollege hatte zwei Lebendfallen mitgebracht, die auch gleich zum
Einsatz kamen, in der Vorratskammer aufgestellt wurden. Die erste,
die sich für den leckeren Käse in der Falle interessierte, war natürlich
die Katze. Wäre sie nicht zu dick, wir hätten sie bestimmt gefangen.
Und die Maus hätte sich ins Fäustchen gelacht. Doch es kam anders.
Die nächste, die Interesse bekundete, war zum Glück die Maus. Nachts
probierte sie den Käse und verlor dabei ihre Freiheit. Am nächsten
Morgen trauten wir dann unseren Augen nicht. Die Katze, die bislang
alle Aktionen ihres Beutetieres in ihrem Revier verpennt hatte, saß
ganz aufgeregt vor der Kammer. Da wollte sie jetzt rein.
Aber Mäuse auf dem Silbertablett präsentiert gibt es bei uns nicht.
Keine Gladiatorenspiele. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Die Beute wurde draußen in Freiheit entlassen. Der Jäger begab sich
frustriert zur Ruhe, um wenigstens von Mäusen zu träumen.
16. Januar 1997
Verschwörung
Von
unserer Hausmaus war an dieser Stelle ja schon des öfteren die Rede.
Mittlerweile ist außerdem klar, eine Maus kommt selten allein. Wir
haben bislang drei gefangen. Mit Speck in Lebendfallen und auf
einem Bochumer Acker ausgesetzt.
Alle guten Dinge sind drei, ein Sprichwort, das mir im Moment besonders
gut gefällt. Doch so recht mag ich nicht daran glauben. Die Katze
hat es weder bei Maus Nummer eins, zwei oder drei geschafft, sie zu
erlegen.
Eigentlich hat sie ihren Beruf verfehlt, meint mein Vater. Und spricht
von einem Kündigungsgrund. Was das Tier kein bisschen beunruhigt.
Es bettelt nach wie vor ganz unverfroren um sein Dosenfutter.
Allerdings hat mein Vater da so seine eigene Theorie, was das friedliche
Zusammenleben von Mäusen und Katze betrifft.
Der kleine Tiger teilt sein Revier nun mal notgedrungen nicht nur
mit diesen Krabbeltieren, sondern auch mit zwei Sittichen. Und die
Katze hat Angst vor den Vögeln. Welche Blamage.
Zuerst haben die Mäuse ja das Vogelfutter weggefressen. Deshalb ist
mein Vater jetzt überzeugt, die Katze hat sich mit ihnen zusammengetan,
so nach dem Motto:”Hungert ihr die Vögel aus, dann lass ich Euch in
Ruhe.”
25. Januar1997
Gladiatoren
“Da
ist gerade eine Maus in Dein Zimmer gelaufen.” Mein Liebster hatte
diese Worte kaum ausgesprochen, als ich auch schon nach unserer Luxus-Lebendfalle
ganz aus Metall greifen wollte. Doch mein Gatte hatte anderes im Sinn.
“Ich hol die Katze”, verkündete er seine Kampf-Strategie. Der Tiger
war aber gerade spazieren, musste erst herbeigeschafft werden. Derweil
durfte ich vor meiner Zimmertür Wache stehen,
Schließlich tauchte mein Liebster wieder auf. Im Gefolge seine Kampf-Katze
und einen Schrubber (um die Maus aus ihrem Versteck zu schieben, der
Katze vors Maul). Ich wollte diesem Gladiatorenkampf lieber nicht
zuschauen und verzog mich.
Das Getöse in meinem Zimmer war groß. Die Katze jammerte. Hatte die
Maus sie angefallen? Mein Gatte schimpfte mit der Katze: “Du sollst
nicht jammern, Du sollst die Maus fangen.” Der Schrubber klapperte
und meine Vögel flatterten - solche Hektik nicht gewöhnt - in ihrem
Käfig herum.
Endlich wurde es still. Der erste der drei Musketiere, die Katze huschte
eilig aus dem Zimmer. Dann kamen mein Liebster und der Schrubber ‘raus.
Die Maus blieb wo sie war. Und ich holte die Falle. Übrigens: Ich
hätte sowieso im Falle des Nagers auf Sieg gesetzt. Da wäre ich jede
Wette eingegangen.
25. September 1997
Wunder
Geschichten
von Menschen und Mäusen kann ich immer erzählen, seit diese Nager
einfach bei uns eingezogen sind. Das war im letzten kalten Winter.
Da haben wir sieben dieser Tierchen gefangen. Nicht auf einen Streich,
aber so nach und nach. Es wollte einfach kein Ende nehmen.
Nach der siebten Maus kehrte allerdings Ruhe ein. Jetzt wohnt wieder
eine bei uns. In meinem Zimmer hat sie es sich in einem Loch in der
Wand hinter der Heizung bequem gemacht. Nur zur Information: In unserer
Wohnung leben - mittlerweile - auch zwei Katzen. Eine davon übrigens
schon seit Jahren. Mehr möchte ich zu diesem Thema nicht sagen.
Mit der alten Katze hatte sich mein Liebster schon in dem Zimmer verschanzt.
Glaubte er doch, ihren Jagdinstinkt wecken zu können. Doch den regt
höchstens der Dosenöffner in Aktion an, dachte ich zumindest immer.
Seit drei Tagen lauert die Katze nämlich vor dem Mäuseloch. Es geschehen
noch Zeichen und Wunder. Die Ehre des kleinen Tigers ist zumindest
partiell gerettet. Mein Mann stolz wie Oskar.
Schließlich zählt der gute Wille mehr als alles andere. Wir zählen
jetzt einfach mal auf unsere Katze. Die Falle lasse ich aber lieber
trotzdem stehen. Doppelt gemoppelt..., Sie wissen schon.
23. Oktober 1997
Sabotage
Die Maus hat es dem kleinen Kater Emil angetan. Das sei normal, sagen
sie. Ist es nicht, sagt das Kater-Herrchen. Denn bei der Maus handelt
es sich nicht um eines dieser Pelztiere mit Knopfaugen und langem
Schwanz, sondern um das Computer-Pendant. Der Kater sitzt auf dem
Computer-Tisch und verfolgt jede kleinste Bewegung der Maus mit allergrößter
Aufmerksamkeit.
Überhaupt interessiert ihn alles brennend, was mit diesem Gerät zu
tun hat. Er liebt die Kabel, die Maus, den Bildschirm. Ständig umschleicht
er die Anlage, läßt sie nicht aus den Augen. Sehr zum Leidwesen seines
Besitzers.
Der schimpft leise vor sich hin, wenn der wilde Vierbeiner mal wieder
zwischen den Kabeln Schatten jagt. Etwas ungehaltener reagierte der
Computer-Freak, als der Drucker nicht funktionierte. Der Kater saß
unschuldig blinzelnd daneben. Damit hatte er nun wirklich nichts zu
schaffen.
Dafür gefielen ihm die Reparatur-Arbeiten ausnehmend gut. Hauptsache,
es ist etwas los, gibt etwas zu beobachten oder jagen. Doch was “Mann”
auch alles mit dem Drucker anstellte, das Ding verweigerte seine Dienste.
Und dann, hast Du Töne, kam ein Wattestäbchen im Drucker zum Vorschein.
Damit war vor dem Desaster noch der Farbkopf des Druckers gereinigt
worden. Wie das Stäbchen dann den Weg in den Drucker fand ... Die
Samtpfote blinzelte immer noch unschuldig. Als kleiner Saboteur könnte
er bestimmt groß Karriere machen.
30. Dezember 1997
Copyright by
Andrea und Klaus Micke
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