Home
1995
1996
1997
1998
1999
2000

Kunststücke

Seit der kleine Kater Emil bei uns wohnt, wissen wir, warum eine Springform eine Springform ist. Der Kater hat sie nämlich zum Reifen umfunktioniert. Sprich, er kann Kunststücke, was keiner glauben wollte. Weder die Familie, noch Freunde.
Doch weil Emil ein sehr nervenstarker Künstler ist, läßt er auch vor Publikum keine Vorstellung ausfallen. Er springt über drei Stühle durch besagte Springform. Das Ganze schafft er auch auf einem schmalen Balken, über den man zudem prima balancieren kann. Der Kater macht “Hübsch”, balanciert mit allen vier Pfoten auf schmalen Stuhllehnen und öffnet und schließt mühelos Türen.
Letzteres ist schon zum Problem geworden. Einfach so aussperren läßt sich das Kätzchen schließlich nicht mehr.
Überhaupt beschäftigt der kleine Kater mittlerweile die ganze Familie. Die Schwiegereltern sahen doch erst kürzlich einen Auftritt einer Perserkatze im Zirkus. “Die ist aber nur einmal durch den Reifen gesprungen”, meinte die Schwiegermutter nur.
Der Schwiegervater verschwand nach dem Auftritt gleich im Keller, um ein artistisches Instrument nachzubauen. Wenn sein Sohn jetzt Geburtstag hat, dann weiß der zwar noch nicht was er geschenkt bekommt. Aber für den Kater wird eine Wippe mitgebracht. So kann ein kleines Tier manchmal ganz schön viel Schwung in eine Familie bringen.
10. Januar 1998

 

Blamage

Am Sonntag ist es passiert. Was habe ich diesen Tag gefürchtet, diese Blamage. Und ausgerechnet vor meiner besten Freundin.
Der kleine Kater, unser vielgepriesenes Zirkus-Kätzchen, trat in den Streik. War er am Samstag noch so bereitwillig durch den Reifen gesprungen und hatte auch alle anderen wunderbaren Kunststücke gezeigt, am Sonntag wollte er nicht.
Der Kater kam zwar brav angelaufen. Machte auch genauso brav einen Satz auf einen der Stühle. Aber dann, anstatt durch den Reifen zu springen, gähnte das Tier herzhaft. Begutachtete interessiert erst den Reifen vor seiner Nase, dann unseren Besuch. Und fing schließlich an, sich ausgiebig zu putzen.
Ratlosigkeit auf allen Seiten. Noch nie, wirklich noch nie, hatte die Samtpfote eine Vorstellung ausfallen lassen. Eine Erklärung musste es doch einfach geben. Des Rätsels Lösung mag in einem Buch stehen. Zumindest, wenn, wie mein Mann immer behauptet, Katzen wirklich lesen können. Seit kurzem haben wir nämlich eine Bibel. Und da ist natürlich schwarz auf weiß zu lesen: ” Am siebten Tag sollst Du ruhen!”
10. Februar 1998

 

Schutzhaft

Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. So sagt man. Unser kleiner Kater hat es nicht so sehr mit den Mäusen. Er tanzt lieber selber, nicht auf dem Tisch, sondern auf dem Käfig der Sittiche.
Wie ein Magnet ziehen ihn die beiden gefiederten Gesellen an, die zum Glück in ihrer Schutzhaft vor seinen scharfen Krallen sicher sind. Angst haben die Vögel auch nicht vor dem Kater. Ob sie um die Gitterstäbe wissen oder einfach größenwahnsinnig sind, wir wissen es nicht.
Trotzdem darf der Kater nicht auf dem Käfig lauern. Irgendwie bekommen wir dann immer ein schlechtes Gewissen gegenüber den Vögeln. Wer möchte schon ständig so ein “kleines Monster” im Nacken haben, dessen Absichten zudem nicht die allerbesten sein dürften. Bestimmt hat er die beiden zum Fressen gern.
Also wird der geduldige Jäger ständig von seinem Lieblingsausguck verscheucht. Jetzt hat er eine neue List ersonnen. Erlauert nicht mehr, er schläft friedlich zusammengerollt über seinen Opfern. Das ist wirklich die Höhe. Träumen könnte er von Sittichen doch überall. Warum muss er das ausgerechnet auf dem Käfig tun?
23. Februar 1998

 

Triumph

Emil und Kedi sind gute Freunde. Kein Abend, an dem die alte Katzendame und der junge Kater nicht ein Spielstündchen einlegen. Auch beobachten sie gern gemeinsam die Vögel auf dem Balkon oder schlafen friedlich nebeneinander.
Und dann das. Als Kedi von einem Besuch beim Tierarztzurückkam roch sie fremd. Emil erkannte seine “alte” Kedi nicht mehr. Eine fremde Katze in seinem Revier konnte der Kater nicht dulden. Bedrohlich aufgeplustert, mit angelegten Ohren, wild singend und kreischend stürzte er sich auf die arglose Kedi, um sie in die Flucht zu schlagen. Die, sonst die Chefin im Ring, bekam es mit der Angst zu tun. Kedi verstand die Welt nicht mehr und flüchtete fauchend. Das ging drei Tage so, an denen die Menschen die Schiedsrichter im Ring spielen mussten. Dann, als alle Betroffenen schon mit den Nerven am Ende waren, sah man Emil, wie er sich vorsichtig von hinten an Kedi heranschlich. Er schnupperte, sollte das wieder seine Kedi sein?
Tatsächlich, sie war es. Jetzt konnte man den kleinen Kater mit vor Stolz geschwellter Brust durch die Wohnung tigern sehen. Hatte er die gefährliche fremde Katze doch aus seinem Revier verjagt. Und deshalb hatte sich wohl seine zwischenzeitlich spurlos verschwundene Spielgefährtin auch wieder zurückgetraut. Ach ja, Kedis Selbstvertrauen war von einer Minute zur anderen auch wieder da. Jetzt ist sie wieder die Chefin im Ring. Und die überflüssig gewordenen Menschen-Ringrichter sagen sich einmal mehr: Katzen sind merkwürdige Geschöpfe.
8. Juni 1998

 

Hochsitz

So gut hatte es mein Vater mit meinem Kater gemeint. In einer Nacht- und Nebelaktion baute er nicht nur aus Baumstämmen einen wunderbaren Katzenbaum, sondern schaffte das gute Stück dann auch noch heimlich auf unseren Balkon. Nur, der Kater reagierte nicht wie erwünscht. Anstatt erfreut seine Krallen an dieser Bereicherung seines Reviers zu wetzen, mied er den Balkon.
Der kleine Tiger traute sich erst nach Stunden wieder nach draußen. Doch den Baum umschlich er nur in geduckter Haltung.
Das Ganze dauerte so lange, bis er ‘raus hatte, dass man auf dem Baum als Kater immer auf der Höhe ist (der Höhe der Tauben-Kinderstube in der Birke nebenan). Jetzt liebt die Samtpfote den Baum, dessen einziges Manko ist, dass von ihm kein Weg in die Birke führt.
5. August 1998

 

Ausflug

Der kleine Kater hat jetzt den Garten für sich entdeckt. Eigentlich ist er ja wirklich ein reiner Stubentiger. Nach draußen darf er nur an der Leine. Jetzt könnte man meinen, dass so ein Kater an der langen Leine doch etwas ungehalten reagiert. Das ist aber nicht so. Im Gegenteil. Die Ausflüge scheinen der Samtpfote richtig Spaß zu machen.
Es ist ja auch nicht so, dass der Mensch mit der Katze spazieren ginge. Die Positionen sind eindeutig verteilt. Der Kater geht, der Mensch folgt.
Was nicht immer ganz einfach ist. Ausgerechnet das Brombeergebüsch ist so schrecklich faszinierend. Und warum raschelt es wohl in dem hohen Gras so verführerisch? Könnte sich da eine Maus versteckt haben. Natürlich muss auch die Schlammecke gründlich inspiziert werden.
Alles halb so wild. Brenzlig wird es erst bei der Vorliebe des Katers für Bäume. Bloß gut, dass er nicht so stark ist. Sonst müßte die Feuerwehr bestimmt bald Mensch und Tier aus luftiger Höhe wieder auf den Boden der Tatsachen befördern.
24. September 1998

 

Copyright by Andrea und Klaus Micke

 

[Home] [Katzen] [Fotos] [Dia-Show] [Texte] [Über uns] [Kontakt] [Links]

E-Mail - Copyright 2000 by Klaus Micke - Gästebuch