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Vorwürfe

Alles Leben soll aus dem Wasser kommen. Deshalb fühlen wir uns wohl auch so munter wie ein Fischlein im Wasser, wenn es uns gut geht.
Ohne Wasser geht allerdings nichts richtig gut. Da reißt einen die Türklingel morgens aus den Träumen. Vor der Tür steht ein Handwerker. “Wir stellen jetzt für zwei Stunden das Wasser ab.”
Das wars dann wohl. Die Haare stehen ab wie ein Besen. Ist nicht mehr zu ändern. Da muß man wohl die Zähne zusammenbeißen und wie Struwwelpeter höchstpersönlich unter die Menschen. Apropos Zähne: Die zu putzen fällt flach. Ganz zu schweigen vom Wasser für den Tee zum Wachwerden, den es heute nicht gibt. Zu allem Überfluß hockt jetzt auch noch der Kater am Waschbecken und möchte trinken. Vorwurfsvoller Blick in meine Richtung. Soll ihm doch der Handwerker erklären, warum auch die Kater-Quelle versiegt ist.
20. Februar 1999

 

Dienstboten

Ein Butler, das wärs. Jemand, der einem das Frühstück ans Bett bringt, abends diskret das Essen serviert, einem einen kühlen Drink in die Hand drückt und die Hemden hängen immer frisch gewaschen und gebügelt im Schrank.
Unser Leben sieht anders aus. Morgens servieren wir unseren beiden Mitbewohnern, Frühaufsteher und trotz großer Portionen immer halb verhungert, das Frühstück. Weil einer der beiden Herren seine Drinks gerne direkt aus dem Wasserhahn nimmt, aber zu zarte Pfötchen hat, um ihn selbst aufzudrehen, stehen wir auch dafür so zehn bis 20 Mal parat.
Dem einen oder anderen Spielchen sind unsere Hausgenossen nicht abgeneigt. Aber wehe, so ein Spiel wird nicht richtig angefangen. Da rutscht man selbst auf allen Vieren Spielmäusen hinterher. Und nach anstrengendem Spiel finden unsere Hausgenossen - wenn auch nicht gerade frische Hemden - doch ein paar Bürstenstriche ganz angenehm.
Manchmal fragen wir uns, warum wir nach einem Butler jammern. Wo wir doch zwei davon haben. Zwei Dienstboten. Für jeden Kater einen.
2. Oktober 1999

 

Krimis

Seit ein paar Tagen ist einer unserer Kater sehr an Literatur interessiert. Sein Favorit ist eindeutig ein Krimi.
Jeden Abend, wenn ich mich mit besagtem Krimi ins Bett verziehe, kommt der Kater mit. Den kleinen Vierbeiner läßt der spannende Inhalt jedoch völlig kalt. In seinem Fall hat sich die Autorin vergeblich abgemüht. Und auch die Tatsache, dass in dem Buch ein Kater mitspielt, reißt sie bei unserem Schnurrer nicht ‘raus.
Der Kater interessiert sich in diesem Fall nicht für die inneren, sondern nur für die äußeren Werte. Ihm gefällt die Umschlaggestaltung des Buches. Der spiegelnde Umschlag macht nämlich so herrliche Lichtreflexe, die man wunderbar jagen kann. Wenn ich das Buch durchgelesen habe und für Nachschub sorgen muss, wird es schwierig werden, etwas Neues zu finden, das durch innere und äußere Werte glänzt.
20. Oktober 1999

 

Desaster

Großtante Erna kommt. Zum ersten Mal in die neue Wohnung. Tante Erna ist die mit dem Adler-Blick, die sich nicht scheut, mit dem Finger kurz über fremde Schränke zu fahren auf der Suche nach Staubspuren.
Kurz bevor die Tante eintreffen soll, nimmt das Unheil seinen Lauf. Die Kater haben ihre dollen fünf Minuten.
Ein geschmeidiger Satz einer Samtpfote auf das Telefonschränkchen hat das Ding umgehauen. Beim Aufprall ist es dann in seine Einzelteile zerbrochen.
Der wunderbare Adventsstrauch in der wirklich schweren Vase, hält einem Kater, der meint die Zweige erklimmen zu müssen, dann doch nicht stand. Das Ergebnis: Scherben und eine große Wasserlache.
Dann haut es noch einen Blumentopf von der Fensterbank. Kater sind schlau, hab ich nach dem Desaster ‘mal wieder gedacht. Leg deine Wohnung in Schutt und Asche, dann haut das Ergebnis auch eine Tante Erna um.
15. Dezember 1999

 

Copyright by Andrea und Klaus Micke

 

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Digitale Postkarten - Copyright 2000 by Klaus Micke - Gästebuch